Hallo Magnus,
ich hatte es schon mal erwähnt: Die Leserinnen und Leser dieses Newsletters sind einfach die besten – wertschätzend, klug und meinungsstark im besten Sinne.
Letzte Woche schrieb ich einen Newsletter darüber, wie wir eigentlich mit KI-generierten Texten umgehen.
- Sollte man Bewerbungen aussortieren, wenn sie mit KI generiert sind? Oder im Gegenteil sogar erwarten, dass Kandidaten KI für ihre Bewerbung nutzen?
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Kann ich verlangen, dass eine Werbeagentur mir Inhalte liefert, die sie eigenhändig erstellt hat? Oder soll ich auch für KI-Texte zahlen?
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Und wie ist es bei diesem Newsletter: Wie wichtig ist es euch, dass ich hier schreibe? Würdet ihr ihn auch lesen, wenn er von der KI kommt?
(Wer den Newsletter letzte Woche verpasst hat, kann ihn hier nachlesen.)
Ich habe euch um eure Einschätzung gebeten. Und was soll ich sagen: Ihr habt geliefert!
Ich habe alle Antworten (anonymisiert) in ChatGPT eingegeben und analysieren lassen. Und ich denke: Das Ergebnis ist auch für euch interessant.
Here we go:
Aus den Rückmeldungen ergibt sich ein erstaunlich klares Bild: Die meisten haben kein grundsätzliches Problem mit KI-Texten. Entscheidend ist nicht, wer formuliert, sondern wer denkt, prüft und Verantwortung übernimmt. Meine Erkenntnisse:
1. KI als Werkzeug ist für die meisten völlig okay
Viele sehen KI ähnlich wie andere Hilfsmittel: Rechtschreibprüfung, Photoshop, Ghostwriting oder Redenschreibende. Wenn Inhalt und Qualität stimmen, ist es zweitrangig, ob KI beim Formulieren geholfen hat.
Einige erwarten sogar, dass die Frage „Mensch oder KI?“ im normalen Geschäftsleben bald kaum noch jemanden interessiert.
2. Die Grenze verläuft zwischen Unterstützen und Auslagern
Der wichtigste gemeinsame Nenner:
Okay ist: Ein Mensch entwickelt Gedanken, Positionen und Ziele und lässt KI strukturieren, formulieren oder verbessern.
Nicht okay ist dagegen: Jemand lässt die KI denken und reicht das Ergebnis ungeprüft als eigene Leistung weiter.
Der Maßstab lautet immer wieder: verstehen, prüfen, vertreten können, was die KI produziert.
3. Verantwortung ist wichtiger als Autorenschaft
Viele sagen sinngemäß: Wer seinen Namen unter einen Text setzt, übernimmt auch die Verantwortung dafür.
Damit verschiebt sich die entscheidende Frage von
„Wer hat das geschrieben?“
zu
„Sind das deine Gedanken – und stehst du dafür ein?“
4. Je persönlicher der Text, desto höher der Anspruch
Bei Kundenmails, Gebrauchstexten oder Marketing ist KI für die meisten unproblematisch.
Kritischer wird es bei politischen Reden, persönlichen Meinungen, Literatur oder ethisch sensiblen Themen. Gerade bei der Rede zum Holocaust-Gedenktag lautet die Haltung mehrfach: Formulieren lassen – okay. Die Haltung auslagern – nicht okay.
5. Bei Dienstleistern wird KI zur Preisfrage
Agenturen dürfen KI einsetzen. Aber dann erwarten die Leser weiterhin einen Mehrwert: Strategie, Individualität, Beratung, kreative Leistung und Qualitätssicherung.
Sinngemäß: Wenn ich denselben Text selbst in fünf Minuten mit ChatGPT erzeugen könnte, warum soll ich dafür viel Geld bezahlen?
6. Bei Bewerbungen und Kundenkommunikation zählt das Ergebnis
KI in Bewerbungen ist für die meisten kein Ausschlusskriterium. Entscheidend ist, ob die Person das Geschriebene im Gespräch auch vertreten kann.
Ähnlich bei Kundenmails: Lieber eine gute Antwort nach 15 Minuten als eine handgeschriebene Mail nach einer Stunde. Problematisch wird KI erst, wenn sie das Anliegen gar nicht versteht und nur Standardtexte produziert.
7. Kennzeichnung? Eher nicht grundsätzlich
Eine generelle Pflicht, KI-Unterstützung offenzulegen, fordert die Mehrheit nicht. Transparenz wird vor allem dann wichtig, wenn sonst eine menschliche Eigenleistung vorgetäuscht würde.
8. Gegen KI-Detektoren gibt es viel Misstrauen
Mehrere Leser warnen vor Fehlurteilen durch Tools wie Pangram. Menschliche Texte könnten als KI erkannt werden – und umgekehrt.
Die größere Gefahr sehen einige deshalb im Misstrauen: Wir beschäftigen uns irgendwann mehr mit der Herkunft eines Textes als mit seiner Qualität.
Die zentrale Erkenntnis
Wenn man alle Antworten auf einen Satz reduziert:
Die entscheidende Frage ist nicht: „Hat KI diesen Text geschrieben?“
Sondern: „Hat ein Mensch gedacht, entschieden, geprüft und übernimmt er dafür Verantwortung?“
Spannend finde ich außerdem: Die Leserinnen und Leser sind insgesamt deutlich KI-offener, als man angesichts der öffentlichen Diskussion vermuten könnte. Die Kritik richtet sich kaum gegen KI selbst. Sie richtet sich gegen Gedankenlosigkeit, Täuschung, schlechte Qualität und den Verlust individueller Leistung.
Das wäre für mich auch die spannendste Fortsetzung des Newsletters: Vielleicht diskutieren wir gerade über die falsche Frage. Nicht Mensch oder KI – sondern: Was muss ein Mensch künftig noch selbst leisten, damit etwas als seine Arbeit gilt?